Review: Mein Projekt enjoy-it.at und was ich daraus gelernt habe

Diesmal möchte ich mit dir einen kleinen Ausflug in die Vergangenheit machen – genauer gesagt in meine Vergangenheit als Start-Up-Gründer, in der das Internet noch kein Facebook kannte. 😉

Wir schreiben das Jahr 2002.

Regionale Event-Communities sind gerade total angesagt. Das Prinzip dahinter: Fotoreporter besuchen verschiedene Events und schießen Fotos der Besucher. Danach werden die Bilder sortiert, bearbeitet und auf die Plattformen hochgeladen.

Interessenten und Besucher des Events können nun alle Bilder der Veranstaltungen auf diesen Portalen einsehen und sich darüber im Chat austauschen, kommentieren und teilen. Eine Grundidee, die sich auch in den weiteren Jahren danach in anderer Form etabliert hat, war Anfang der 2000er meine erste große Business-Erfahrung.

enjoy-it.at: Die Anfänge von Social Media

Parallel zu meiner Matura und später auch noch im Studium habe ich mit enjoy-it.at ein Portal für Events, Foto, Flirt & Community in einem gegründet und aufgebaut. Monatliche Wachstumsraten von 20 bis 50 Prozent waren nach kurzer Zeit der Standardfall – für die damalige Zeit schon sehr starke Zahlen.

Einnahmen wurden mit Online-Werbung und Kooperationen erzielt. Wenn man sich die Verbreitung des Internets damals und heute ansieht, war diese Form der Einnahmequelle durchaus anspruchsvoll und nicht gerade risikoarm. Die Motivation war aber nicht das Geld – der Spaß-Faktor hat für mich klar dominiert und mir viele Learnings ermöglicht, die ich heute bei meiner alltäglichen Arbeit immer wieder anwenden kann.

Zahlen und Fakten zur Spitzenzeit von enjoy-it

  • Knapp 100.000 registrierte User
  • 850.000 Fotos
  • 470.000 Kommentare
  • hunderte Fotografen
  • Jede Menge Community-Partys 😉
  • Claim der Community: ONE LIFE. ENJOY-IT.

2 Jahre ENJOY-IT.at – TV Bericht

LT1 Fernsehen hat im Fernsehformat „Bilderstürmer“ über die 2 Jahresfeier berichtet (im Video: DJ Rene Rodrigezz):

Was waren meine Learnings?

Die Skalierbarkeit von einer Online-Plattform mit den dahinterliegenden Datenbanken waren besonders große Herausforderungen für mich, die ich erst durch die weitere Entwicklung von enjoy-it bewältigen konnte. Das Erschaffen von Systemen hängt besonders stark damit zusammen und ist in der Bedeutung von damals zu heute noch weiter gestiegen.

Daher mein Tipp: Auch wenn es zunächst nur ein Passion Project sein mag, konzentriere dich darauf, aus deiner Idee heraus ein System zu konstruieren, auf dem sich dein Business stützen kann. Damit legst du die richtigen Grundbausteine für ein lukratives Geschäftsmodell.

Das zweite Learning: Such dir Experten auf deinem Gebiet und stelle Fragen! Sich im stillen Kämmerlein zu verkriechen und dort an der Ausarbeitung einer Geschäftsidee zu werkeln, ist nicht unbedingt die erfolgsversprechendste Methode.

Es ist immer besser mit Leuten zu sprechen, die in deinem Bereich bereits Erfolge erzielt haben und/oder sich mit der Materie hervorragend auskennen. In meinem Fall waren es häufig meine Uni-Professoren, deren Nerven ich mit meinen praxisorientierten Fragen das ein oder andere Mal sicher strapaziert habe. 😉

Und Learning Nummer 3: Übe das Verhandeln! 2007 habe ich die Plattform an eine private Fernsehanstalt in Österreich verkauft. Finanziell betrachtet ein guter Deal, emotional war es dann aber noch schwerer als gedacht. Nicht nur dort, sondern auch bei den Beteiligungsverhandlungen mit Medienverlagen und Fernsehstationen für gemeinsame Kooperationen war ein gewisses Verhandlungsgeschick äußerst hilfreich.

Beim Verhandeln kann man jede Menge Fehler machen, wenn die Basics nicht bekannt sind. Um die persönliche Verhandlungsstrategie immer wieder zu verfeinern, braucht es aber die praktische Übung. Falls du dir praktisches Basiswissen über Verhandlungen aneignen möchtest, empfehle ich dir sehr das Buch „Deal!“ von Jack Nasher.

Kurzinterview zu enjoy-it.at

Ein interessierter Leser und Beobachter hat mich vor geraumer Zeit kontaktiert, um mehr über mein erstes großes Business-Projekt zu erfahren. Da einige coole Fragen dabei waren, möchte ich diese etwas aufbereitet mit dir teilen:

Wie bist du eigentlich auf die Idee gekommen ENJOY-IT.at zu gründen? Was war der Auslöser?
​Das hat sich sukzessive entwickelt. Begonnen habe ich mit einer Webseite über mich persönlich, dann zu einer Webseite zur Abi-Klasse (Exkursionen, Bilder, Stundenplan) ausgebaut und mit einem Eventkalender und Neuigkeiten aus der Region (Linz/Oberösterreich) sukzessive erweitert. Dann fand ich, dass die Webseite mehr Aufmerksamkeit verdient und habe wo ging dafür Werbung gemacht (Visitenkarten auf Uni verteilt, etc). Aber es war mir noch zu wenig. Dann habe ich von dem Konzept der Partyfotografie gehört und mir sofort erschlossen, dass dies ein großer Traffic Bringer ist. Deswegen habe ich dann den ersten Partyfotograf gesucht und los gings.
War ENJOY-IT zuerst ein Soloprojekt und wie lief der Aufbau des Teams ab (wie groß war es am Ende)?
Als ich den ersten Fotografen hatte ging es los – Traffic explotierte, ich fand einen Fotografen nach dem anderen. Ich hatte einen Nerv getroffen. Schnell brauchte ich einen Fotografenleiter, den fand ich unter den Fotografen. Ein user meldete sich ein User, dass er beim Design (bis dahin alles selbst gemacht) helfen könnte. Dann suchte ich mir einen Studentenkollegen, welcher mir beim Programmieren hielf. Am Ende hatten wir 3 feste Programmierer, einen Fotografenleiter, Designer und mich. Plus rund 45 Fotografen. Zwischenzeitlich hatte ich mit LT1 Privatfernseh Gmbh einen kapitalstarken, Reichweiten starken (TV) und Contentstarken (Video, Events)
Wie hast du die Herausforderungen der Skalierung und der Datenbanken gemeistert?
Als ich auf der Uni war hab ich meinen Professor wirklich abgenervt- ständig was gefragt während den Vorlesungen und nach der Vorlesung ihn aufgelauert. Aber auch recherchiert- das war damals noch nicht so leicht. Es gab keine Clouds oder andere Infrastsrukturen.
Welche Schritte hast du unternommen, um die Plattform zu monetarisieren? Also wie war das Verhältnis von Kooperationen und Online-Werbung?
Erstmal war alles nicht so sehr kapitalintensiv, aber als Teenager sind auch kleine Summen relevant. Also hab ich begonnen AdWords einzubauen, waren eher kleine Beträge, aber ein Grundeinkomen. Einmal haben sie – mir bis heute unerklärlich – mir ein Monatsumsatz gecancelt. Dann nur eine Standardantwort in Richtung Fraud erhalten… Das hat mich sehr genervt. 
Also bin ich auf Diskotheken, Veranstalter und lokale Partner zu gegangen. Das hat sich zunehmend bezahlt gemacht. Die haben dann auf der Platform geworben. 
Andererseits habe ich ein Eventkonzept „Communityparty“ kreiert und dann an Diskotheken und Veranstalter verkauft. In Summe bin ich nicht reich geworden, aber so konnte ich ständig die Plattform weiterentwickeln.
Wenn du mit dem Wissen von heute 2002 die Plattform nochmal gründen würdest – was würdest du anders machen?
Ich dachte, dass für den Rollout die Fotografie notwendig ist. Deswegen fokussierte ich mich auf „noch mehr Fotografen zu erhalten“. Aber eigentlich waren es die Features (Messanger, Userprofile, Kommentare unter Bilder, etc) die die User eignetlich wollten. Somit kamen dann die generischen Plattformen, wie studiVZ oder Facebook und sind groß geworden. Rückblickend hätte ich mit der Plattform da mithalten können (Facebook wurde erst 2004 gegründet)… ;o)

Autor: maerzinger

#Mario Märzinger gilt als umfassend anerkannter Digital-Experte und Manager. Über 15 Jahre Erfahrung in Unternehmen, mit zuvor 10 Jahren wissenschaftlicher Ausbildung, runden sein einzigartiges Profil ab.

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